Die Lebensbaum Waldkirche - Spiritualität der keltischen Kirche

Das Jesusgebet - kontemplatives Gebet

Erläuterung und Anleitung zum Herzensgebet

Das Jesusgebet, auch Herzensgebet und Ruminatio genannt, ist ein besonders in der Orthodoxen Kirche weit verbreitetes Gebet, bei dem ununterbrochen der Name Jesu Christi angerufen wird. Damit soll der Aufforderung „Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5,17 EU) des Apostels Paulus genüge getan werden. Im Hesychasmus und anderen Meditationsformen der Ostkirchen nimmt dieses Gebet eine zentrale Stellung ein, wurde aber auch vom Heiligen Bernhard von Claivaux propagiert. Das Jesusgebet gehört als kontemplatives Gebet, stilles Gebet bzw. Gebet der Sammlung zur kontemplativen und meditativen Praxis der Reformierten Keltischen Kirche und des Orden von Sankt Josaphat.

Seine Anfänge reichen bis in die Zeit des frühen östlichen Mönchtums zurück. Dort wurden kurze Bibelzitate, oft Psalmverse, meditiert, also immer wieder wiederholt, teilweise laut ausgesprochen, teilweise innerlich rezitiert. Mit der Zeit wurde es üblich, statt der Bibelzitate den Namen
Jesus zu rezitieren. Die Form Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner ist bereits für das 6. Jahrhundert belegt. Dabei geht der Ursprung auf den blinden Bettler Bartimäus aus Jericho zurück: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner (überliefert bei den Synoptikern, z. B. Markus 10,47).

In Russland entstand Ende des 19. Jahrhunderts ein Buch mit dem Titel Aufrichtige Erzählungen eines Pilgers, seinem geistlichen Vater mitgeteilt, das in viele Sprachen übersetzt wurde und so die Tradition des
Jesusgebetes weltweit verbreitete, auch im deutschsprachigen Raum, wo es unter dem Titel Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers erschien. Insbesondere durch dieses Buch fand das Jesusgebet Anhänger in allen christlichen Konfessionen, sodass heute schon von einer „Ökumene des Jesusgebetes“ gesprochen werden kann.

Es gibt keinen einheitlichen Gebetstext. Stets wird der Name Jesu angerufen. Mögliche Formulierungen sind:
Herr
Jesus Christus.
Jesus Christus.
Jesus.
Christus
Jesus.
Nach der Anrufung des Namens Jesu kann eine Erbarmungsbitte angeschlossen werden. Mögliche Formulierungen sind:
Herr
Jesus Christus, erbarme dich meiner.
Herr
Jesus Christus, (du) Sohn Gottes, erbarme dich meiner.
Herr
Jesus Christus, (du) Sohn Gottes, hab Erbarmen mit mir (Sünder).
Statt der Erbarmungsbitte kann auch eine Bitte um Hilfe geäußert werden. Mögliche Formulierungen sind:
Herr
Jesus Christus, steh' mir bei.
Herr
Jesus Christus, (du) Sohn Gottes, steh' mir bei.
Heiligstes Herz Jesu, sei meine Rettung.

Hinter dem
Jesusgebet steht ein umfassender spiritueller Weg, über den in der Mönchsliteratur sehr viel geschrieben wurde. Eines der wichtigsten Werke ist die Philokalia, eine Sammlung von Werken der Mönchsväter. Es empfiehlt sich mit einführender Literatur zu beschäftigen, wie z.B. mit der von Abt Emmanuel Jungclaussen. Zur Einübung des Jesusgebets bieten die Kirchen aller Konfessionen Seminare an.

Anleitung
Während der ganzen Gebetszeit vergegenwärtige die Präsenz Gottes. Es handelt sich nicht einfach nur um eine Meditationstechnik, sondern um echtes Gebet und Kommunikation mit einem Gegenüber. Das
Jesusgebet wird einige Male laut gesprochen. Danach spreche still beim Einatmen die Worte "Herr Jesus Christus" und beim Ausatmen "erbarme dich meiner". Ablenkende Gedanken werden innerlich als "Gedanke" bezeichnet und wie eine vorüberfliegende Wolke ziehen lassen, ohne sich daran anzuhaften oder darüber zu ärgern. Komme einfach immer wieder zurück auf das Gebet und die Verbindung zum Atem. Wenn der Geist zur Ruhe gekommen ist, können die Worte immer mehr reduziert werden, bis nur noch beim Ausatmen das Wort Jesus still und letztlich gar nichts mehr gesprochen wird. Sofern bei dem Gebet hartnäckige Probleme auftreten, sollte es abgebrochen und ein erfahrener Praktizierender aufgesucht werden. Es ist nicht auszuschließen, dass im Zustand der Geistesruhe psychische Probleme offenbar werden, die bis dahin verdrängt wurden und vielleicht einer Therapie bedürfen.

Störende Phänomene beim Beten waren den Wüstenvätern bereits bewusst und entwickelten Methoden, mit diesen umzugehen. Die Achtlaster-Lehre von Evagrius Ponticus kann hierfür zu Rate gezogen werden, insbesondere die Erläuterung hierzu von Anselm Grün, "Der Umgang mit dem Bösen". Durch die Wahl des Titels sollte man sich nicht abschrecken lassen.
Das British Medical Journal berichtete von einer Studie der Universität Pavia, bei der herausgefunden wurde, dass sich die Einübung eines Mantras positiv auf das Herz-Kreislauf-System ausübt. Durch den gleichbleibenden Gebetsrhythmus reduziert sich die Atemfrequenz auf etwa sechs Atmungen in der Minute. Konzentration und innere Ruhe werden gefördert.
Der Präventivmediziner Gerd Schnack hat gemeinsam mit dem Musikpädagogen Hermann Rauhe das sog. repetitive Meditationstraining (RMT) entwickelt und sich hierbei am Konzept wiederholender Gebetsformeln orientiert, wozu auch das
Jesusgebet zählt. Schnack und Rauhe schreiben: "Fünf Minuten RMT haben einen stärkeren Wiederherstellungseffekt auf die körperliche Fitness als eine Stunde Erholung ohne RMT." Zur Entspannung für den Körper komme auch eine völlig neue Kreativität für den Geist.

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